Die Stadtteile

Nicht nur historisch haben die bei der Gebietsreform 1978 eingemeindeten Stadtteile ihr Eigengewicht. Zielsetzung der Stadtentwicklungsplanung seitdem ist, die gewachsene Eigenständigkeit, das Gewicht der Orte Oberknöringen, Unterknöringen, Großanhausen, Kleinanhausen und Limbach zu wahren und durch neue Wohngebiete etwa auch deren Fortentwicklung für die Zukunft zu sichern. Die alten Siedlungsräume, mit die ältesten in ganz Bayern, sollten als solche, als harmonische und vitale Einheit erhalten bleiben.

Dazwischen finden sich immer wieder gliederndes Grünland und die für das gesamte Stadtbild so typischen Streuobstwiesen. Räumlich am engsten an Burgau herangewachsen ist der ehedem als selbstständige Gemeinde 650 Einwohner zählende Ort Oberknöringen, dessen Entwicklung schon in früheren Zeiten stets mit der Stadt verwoben war. Aber auch die ritterliche Herrschaft Unterknöringens interessierte sich dafür und hatte zeitweise das halbe Gemeindegebiet in Besitz.

Von Unterknöringen aus war auch die Errichtung der 1765 entstandenen Antoniuskapelle angeregt worden. Das im Tal der Kammel gelegene Unterknöringen darf für sich in Anspruch nehmen, mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit noch älter als Burgau selbst zu sein. Die Siedlungsursprünge reichen zurück bis in die frühe Zeit der alemannischen Landnahme. Als fränkische Gründung war Unterknöringen die Urpfarrei für das ganze Gebiet. Dies hatte seine rechtlichen Auswirkungen bis in das 18. Jahrhundert. Solange musste die Stadt trotz verschiedentlicher Anläufe ausharren, auch als Pfarrei selbstständig und vom "Land" unabhängig zu werden. Das als Wasserburg errichtete Schloss der Freiherren von Freyberg, ein dreigeschossiger Giebelbau aus dem 16. Jahrhundert, und der Schlosspark erinnern heute noch an die glanzvolle Vergangenheit. Bereits im 12. Jahrhundert ist der Ort urkundlich belegt als Stammsitz der Herren von Knöringen, seit dem 13. Jahrhundert dann Ministeriale der Markgrafen von Burgau.

Ab dem 16. Jahrhundert ging der bis dahin sich ansehlich vermehrte Besitz zunehmend verloren. Wie weit verzweigt damals die europäischen Herrschaftsinteressen waren, belegt am besten der Umstand, dass als Lehensherren von Unterknöringen sogar die Markgrafen von Brandenburg und die Krone von Böhmen begegnen. Ein Werk des Meisters Moritz von Mindelheim ist die in den Jahren 1481 bis 1484 als Backsteinbau errrichtete Pfarrkirche St. Martin mit ihrem hoch aufregenden, viergiebeligen Turm, dem spätgotischen Zierwerk und einer Reihe von teils noch älteren Epitaphien. Als Grablege der Freiherren von Freyberg bedeutsam ist die Dreifaltigkeitskapelle, Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet ebenso wie die Seelenkapelle. 1207 erstmals als Ahusen erwähnt, war Großanhausen über die Jahrhunderte Sitz verschiedener Adelsfamilien. Die Unseren Lieben Frauen geweihte Pfarrkirche gab dem Ort auch den Namen Frauenanhausen.

Noch mit gotischem Chor, steht die Kirche aus dem Jahr 1795 als interessantes Beispiel für die frühklassizistische Sakralbauweise in Schwaben. Das Deckenfresko "Geburt Christi" von Johann Baptist Enderle zählt durch die dynamische Behandlung des Lichts zu den Meisterwerken dieses großen Malers. Wie Großanhausen wurde auch Kleinanhausen im Jahr 1970 in das damals noch selbstständige Unterknöringen eingemeindet. Die beiden Orte waren seit alters her durch einen Handelsweg voneinander getrennt. Die Katholische Kirche St. Gangolf mit schönem Barockaltar ist wiederum eine Schöpfung des 18. Jahrhunderts. Seinen Charakter als historische Dorfanlage und ehedem Sitz eines Ministerialengeschlechts hat Limbach bis in die Gegenwart bewahrt. Das Pfarrhaus als ältestes Fachwerk am Ort stammt aus dem Jahr 1630.

Noch älter ist die Pfarrkirche St. Stephan, deren wertvollen Kruzifix und die gotischen Apostelfiguren von Petrus und Paulus auf die Entstehungszeit zu Beginn des 16. Jahrhunderts hinweisen. Kein Geringerer als Joseph Dossenberger war dann Mitte des 18. Jahrhunderts mit der Umgestaltung des Gotteshauses in Stil und Geist der Zeit beschäftigt. Für gut ein Jahrhundert war Limbach auch ein viel besuchter Wallfahrtsort. Nördlich des Dorfes hatte die aus dem Hause Habsburg stammende Erzherzogin von Lothringen und Königinwitwe von Polen Maria Eleonora 1679 das Wallfahrtskirchlein Königin-Bild errichten lassen, das schon wenige Jahre später wegen der mächtigen Pilgerströme erweitert werden musste. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche abgetragen. Das alte Gnadenbild ziert heute den linken Seitenaltar der Burgauer Pfarrkirche. Seit 1964 erinnert eine wieder am alten Platz errichtete Kapelle an die einst bedeutende Wallfahrt.

zurück